Offener Brief an die Gewerkschaften des DGB: Leiharbeit nicht verbessern – sondern abschaffen!

Leiharbeit-SklavenhändlerDiesen offenen Brief an den DGB, kann von möglichst vielen Menschen bzw. Gruppen an den DGB gesendet werden.
Wir – das Aktionsbündnis „Leiharbeit abschaffen“ Freiburg – haben diesen am 7.6.09 per Email verschickt. Bislang haben wir keine Stellungnahme erhalten. Deshalb werden wir am 1. Juli mal nachfragen gehen (->Stadtrundgang)!

OFFENER BRIEF (Freiburg, 07.06.09)
DGB – Danke sehr!
Für Dumpinglöhne nach Tarif

Leiharbeit nicht verbessern – sondern abschaffen!

Immer mehr Menschen sind gezwungen zu Dumpinglöhnen zu arbeiten u. mit diesen Hungerlöhnen über die Runden zu kommen. Mit tariflichen Stundenlöhnen ab 6€ brutto (Stand 2008) kann man alle getrost als gewerkschaftlich abgesegnete Freibriefe zur Ausbeutung auf Armutsniveau bezeichnen.

Die Arbeitsbedingungen sind teilweise unbeschreiblich miserabel, elementare Rechte werden verweigert, gearbeitete Zeiten werden nicht angerechnet, entleihfreie Zeiten werden nicht bezahlt bzw. vom Urlaub abgezogen u. Lohnbetrug scheint nicht selten vorzukommen. Solche Behandlungsmethoden durch eine Leiharbeitsfirma sind illegal. Nach Arbeitsrecht gelten entleihfreie Zeiten als Arbeitszeit. LeiharbeiterInnen verdienen im Durchschnitt 30-50% weniger als ihre KollegInnen bei der Entleihfirma u. dies trotz der ihnen abverlangten enormen Flexibilität. 745000 Menschen arbeiteten 2008 in Leiharbeitsverhältnissen, doppelt so viele wie vor fünf Jahren. Die großen Leihbuden u. Sklavenhändler wie z.b. Randstad, Manpower, Tuja, Adecco, … machten riesige Gewinne. Neue Agenturen sprossen wie Pilze aus dem Boden, wie auch in Freiburg.
Der Leiharbeitssektor in Freiburg hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt: 1999 waren es ca. 1600 LeiharbeiterInnen, Ende 2007 waren es schon 3600 u. im Sept./Okt. 2008 gab es im Raum Freiburg ca. 4000 LeiharbeiterInnen. Die Zahl der Unternehmen, die am Geschäft mit “hochflexiblem Personal” – also Leihsklaven – mitverdienen wollen, ist ebenfalls kräftig gewachsen: Im Bezirk der Arbeitsagentur Freiburg gab es 2008 95 Leihbuden, davon allein im Stadtgebiet Freiburg zwischen 30 u. 40. Die Größten sind Randstad, Manpower, Tuja, Adecco, DIS … .
In der Kleinanzeigenzeitung “Zypresse” findet man kaum noch “normale” Stellenangebote, sondern sehr viele Leih- u. Zeitarbeitsjobs mit einem Stundenlohn ab 7,38€ brutto. “Von 7,38€ in der Stunde kann man nicht leben”, empörte sich der Sekretär der IG-Metall Freiburg, Kantelhardt. Dabei haben diese bzw. der DGB dazu beigetragen.

Aktuell: Das Berliner Arbeitsgericht entschied Anfang April 2009, daß die “Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit u. Personalserviceagenturen” (CGZP) nicht tariffähig ist. (Aktenzeichen: Arbeitsgericht Berlin 35 BV 17008/08). Damit seien alle von der CGZP abgeschlossenen Tarifverträge ungültig, erklärte die Berliner Arbeitssenatorin Knake-Werner. Wenn dieses Urteil rechtskräftig wird, dann können ca. 40% der LeiharbeiterInnen rückwirkend mehr Lohn verlangen. Auch die Sozialversicherungsträger können in der Folge mit nachträglichen Zahlungen rechnen. Erste LeiharbeiterInnen klagen bereits auf Nachzahlungen.

Anstatt jetzt endlich die Tarifverträge mit den Verbänden der Leiharbeit BZA u. iGZ zu kündigen u. gleichen Lohn für gleiche Arbeit einzufordern, verhandeln die DGB-Gewerkschaften seit Januar´09 wieder über neue Dumping-Tarifverträge, unter anderem 8% mehr von viel zu wenig. Somit ermöglichen die DGB-Gewerkschaften eine Weiterführung des modernen Sklavenmarktes u. verhindern damit, daß “gleiches Geld für gleiche Arbeit” realisiert wird.

Leiharbeit ist Menschenhandel! Wir haben keinen Bedarf an Zwischenhändlern, die unsere Arbeitskraft an irgendwelche Unternehmen verkaufen u. uns wie Schachfiguren in einem Spiel einsetzen. Leiharbeit schafft keine Arbeitsplätze, sondern macht Arbeitsplätze unsicherer!
Deshalb lehnen wir die idiotische Losung der IG-Metall “Leiharbeit fair gestalten” ab. Wir wollen, daß dieser Sklavenhandel endlich aufhört!

Aktiv werden
* Auch ihr könnt den offenen Brief an den DGB senden! Oder schreibt euren eigenen Brief!
Mögliche Email Adressen:
freiburg@dgb.de, freiburg@igmetall.de, bz.suedbaden@verdi.de, ingrid.flaemig@t-online.de, bezirk.sb@gew-bw.de, Freiburg@igbau.de

[ssba]